Gründen oder Nichtgründen? Das ist hier die Frage!

von Ewa Martyna-David

Competition

Die Zahlen sprechen für sich. Österreich ist zwar kein Land mit sehr hohem UnternehmerInnengeist, jedoch geht der Trend zu mehr Unternehmensgründungen. Erfreulich: Diese Neugründungen verschwinden auch nicht gleich wieder. Die Top 3 sind Werbung, IT und Consulting.

Österreich ist zwar kein Land mit sehr hohem unternehmerischen Geist – nach der Selbständigenquote liegt Österreich 2013 in europäischen Vergleich am 20. von 28 Plätzen – jedoch geht der Trend zu mehr Neugründungen. Diese verschwinden auch nicht kurz nach ihrer Gründung wieder. Kleinstbetriebe dominieren in der Strukturlandschaft. Laut dem Vorsitzenden der Jungen Wirtschaft der WKÖ Jürgen Tarbauer finden die Top 3 Unternehmensgründungen in den Bereichen Werbung, IT und Consulting statt. Die Erhebung der schwedischen Wirtschaftsauskunftei Bisnode D&B zeigt, dass Ostösterreich die meisten Betriebe (70%) anzieht. Die Hauptstadt Wien trägt mit mehr als 120.000 Niederlassungen sehr stark zur Dominanz des Ostens bei Betriebsansiedlungen bei.

Rechtsform und Kosten einer Unternehmensgründung

Die Kosten einer Gründung hängen von der Rechtsform ab. Zwar ist ein Einzelunternehmen am kostengünstigsten, da man hier weder eine notarielle Bestätigung noch Stammkapital braucht. Jedoch ist bei der Auswahl der Rechtsform die Risikoabschätzung der entscheidende Faktor. So ist die beliebteste Rechtsform bei inländischen KMUs das nicht eingetragene Einzelunternehmen, bei vielen ausländischen Investoren die „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (GmbH).

3 Faktoren für erfolgreiche Unternehmensgründungen

Die erste Entscheidung, die ein(e) GründerIn treffen muss, ist, ob die Selbständigkeit der richtige Berufsweg ist.

Für einen unternehmerischen Erfolg ist die Verbindung folgender drei Elemente ausschlaggebend:

  1. Geschäftskonzept: Zukünftige UnternehmerInnen sollten ihre persönlichen Eigenschaften, die Idee und den Markt anschauen. Die Geschäftsidee muss gut überlegt sein und zu einem Geschäftskonzept reifen. Wesentliche Elemente dazu sind besonders die Markttauglichkeit der Idee und die potenzielle Konkurrenz.
  2. Persönlichkeit: Für eine erfolgreiche Umsetzung der Pläne, sollten potenzielle GründerInnen neugierig, engagiert, stress- und krisenresistent, hoch motiviert, risikobereit, kreativ, ausdauernd, aufgaben- und problemorientiert sein.
  3. Finanzielle Voraussetzungen: Ohne ausreichendes Kapital ist die Umsetzung der auch besten Geschäftsidee sehr schwierig. Dann sind Fragen der Eigen- und/oder Fremdfinanzierung von Bedeutung.

Dann kommt die Bürokratie

Hat man diese Hürden genommen, folgt die bürokratische Phase. Das A und O für die richtige Vorbereitung der Unternehmensgründung ist das praktische Wissen in Fragen des Arbeitsrechts, des Gewerberechts und anderer erforderlicher Bewilligungen. Dieser Schritt ist – wie schon der erste – mit hohem Arbeitsaufwand verbunden. Unterstützung gibt es aber von Seiten der Wirtschaftskammer Österreichs, der Wirtschaftsagentur Wien, den jeweils zuständigen Gewerbeabteilungen der Bezirkshauptmannschaften oder der Magistrate.

KundInnengewinnung durch Offenheit und Zielstrebigkeit

Nach Erledigung aller behördlichen Notwendigkeiten kommt der Schritt der KundInnengewinnung. Diese findet man durch Offenheit und Zielstrebigkeit. FirmenbesitzerInnen sollten vor allem Small Talk/Networking beherrschen. Nur wer vom eigenen Produkt oder der eigenen Dienstleistung wirklich begeistert ist, wird auch andere dafür begeistern können. Im Zeitalter des permanenten Preisvergleiches im Internet ist die dazugehörige Haltung des KundInnenstocks noch schwieriger geworden. Hier ist die Kreativität der UnternehmerInnen gefragt, um den/die Kunden/Kundin stets mit neuen Angeboten zu versorgen. Eine attraktive Homepage mitsamt einer regelmäßig gepflegten KundInnendatei sind heute ein Muss!

Die Wachstumsphase

Im Idealfall treten UnternehmerInnen hier in die nächste Phase ein: die des Wachstums. Erfolgreiche FirmenbesitzerInnen beginnen, Personal anzustellen und tragen auch dafür finanzielle Verantwortung. Falls dieser Schritt auf lange Sicht ausbleiben sollte, wäre es klug, sich das Geschäftsmodell oder sogar die Selbständigkeit noch einmal gut zu überlegen.

Die Probleme bei Gründungen

Gründungsprobleme hängen grundsätzlich von der jeweiligen Sparte ab. Generell bereiten die Akquise und das Networking die größten Schwierigkeiten. Bei größeren Projekten ist die Finanzierung das wichtigste Thema, die KundInnengewinnung kommt auf Platz 2.

Bei all dieser Probleme darf aber eines nicht vergessen werden: Niemand kann alles sofort können und es macht immer Sinn, sich mit FreundInnen oder anderen UnternehmerInnen auszutauschen und die eigenen Projekte zu besprechen. Sehr oft stellt man dann fest, dass andere dieselben Probleme zu lösen hatten und kann sich dann gute Ratschläge holen. Diese muss man aber sehr genau prüfen, ob sie auch für die eigenen Projekte sinnvoll sind.

Guter Rat ist nicht immer teuer

Ein praktischer Tipp von Jürgen Tarbauer ist, sich auf die Kernarbeit zu fokussieren und die operativen Bereiche wie Steuer, Buchhaltung etc. auszulagern. Ein(e) eigene(r) BuchhalterIn ist günstiger als ein(e) Steuerberaterin, aber die Entscheidung sollte von der Rechtsform abhängen.